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Erzbergbau - Hüttenwesen - Bieberlies

Verantwortlich: 
Dr. Rainer Haus, Hauptstr. 61, 35444 Biebertal-Bieber, Tel.:
0173/4003280

Die Gruppe besteht seit Gründung des Vereins im Jahr 1995. Dr. Rainer Haus ist als Leiter des Unternehmensarchivs von Buderus ein profunder Kenner des heimischen Berg- und Hüttenwesens.

Bergbau und Bahngeschichte des Biebertales

 

Die Anfänge des heimischen Berg- und Hüttenwesens liegen in der Epoche der keltischen Eisenkultur. Der Dünsberg war vor über 2000 Jahren eine höchst bedeutende keltische Siedlung.

Während des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit bildeten die Eisenerzvorkommen und großen Waldungen im Umfeld des Dünsberges die Basis einer arbeitsteiligen Eisengewinnung und -Verarbeitung im Biebertal.

Der Eisenerzbergbau in der heutigen Großgemeinde Biebertal erlebte in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einen erneuten Aufschwung. Ursächlich hierfür war zum einen die Errichtung eines neuen Hüttenwerkes bei Lollar (das heutige Werk Lollar der Buderus Heiztechnik GmbH) im Jahre 1854 und zum anderen die Möglichkeit, die Erze seit 1852 mit der Main-Weser-Bahn ab Gießen versenden zu können.

Seit Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen, eine Bahnlinie durch das Biebertal zu bauen. Für die hiesigen Erzgruben und Kalksteinbrüche hätte dies eine erhebliche Verbilligung der Transportkosten bedeutet, da ihre Produkte mit Kuhgespannen und Pferdefuhrwerken zu den Hüttenwerken an der mittleren Lahn oder zur Bahnstation Gießen abgefahren wurden. Mit der Errichtung der Verladestation Abendstern an der Bahnstrecke Lollar - Wetzlar konnte 1888 das Transportproblem immerhin teilweise gelöst werden. 1897/98 wurde schließlich die Kleinbahn von Gießen nach Bieber gebaut, die am 19. August 1898 den Betrieb aufnahm und schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Bevölkerung den Kosenamen „Bieberlieschen“ erhielt. Mit der Biebertalbahn erlebte auch der Tourismus zum Dünsberg und in das Biebertal einen starken Aufschwung.

Mit der Stillegung der Grube Eleonore am Fuße des Dünsberges, dem bedeutendsten Bergwerk im Biebertal, 1928/29 verloren nicht nur viele Bergleute ihren Arbeitsplatz, sondern auch die Biebertalbahn ihren bisherigen Hauptverfrachter. Von 1931 bis 1939 arbeitete die Bahn mit Verlust.

Die Belegschaft der Grube Eleonore, im Jahre 1887

Im Frühjahr 1940 war die Verwaltung der Bahn bereit, der Stadt Gießen die Konzession unentgeltlich zu überlassen, damit hätte die Universitätsstadt ihren Plan verwirklichen können, eine Bus- oder O-Buslinie nach Heuchelheim einzurichten - als Vorstufe für die beabsichtigte Eingemeindung des Industrieortes vor den Toren von Gießen.

Im Juli 1940 teilte die Bahngesellschaft der Stadt Gießen mit, dass sich wegen der Weiterführung des Güterverkehrs auf dem Streckenabschnitt Bieber - Abendstern „neue Gesichtspunkte" ergeben hätten. In einem Schreiben der Bahnverwaltung vom Oktober 1942 heißt es hierzu erläuternd: „Dass auf Wunsch des Herrn Reichswirtschaftsministers im Hinblick auf den Güterverkehr Bieber - Abendstern die Übernahme des Verkehrs durch die Stadt Gießen für die Dauer des Krieges zurückgestellt worden ist."

In der Personenbeförderung erreichte die Biebertalbahn 1947 mit annähernd 950.000 Menschen ihre höchste Inanspruchnahme. Dieser Rekord war zum einen durch die sogenannten Hamsterfahrten und zum anderen durch den Zuzug von Heimatvertriebenen bedingt, die zunächst über keine eigenen Beförderungsmittel verfügten. Mit jeweils 41 Beschäftigten wurde in den Jahren 1948 und 1949 der höchste Mitarbeiterstand in der Bahngeschichte erreicht. Seit der Währungsreform im Juni 1948 arbeitete die Biebertalbahn wieder mit Verlust.

Die Bieberlies am Ortsausgang von Bieber im April 1963

Ab 1948 verfolgte die Stadt Gießen wieder ihren alten Plan zur Eingemeindung von Heuchelheim. Mitte Juli 1949 eröffneten die Stadtwerke eine Omnibuslinie zwischen Gießen und Heuchelheim, die im Dezember 1949 in eine O-Buslinie umgewandelt wurde. Aufgrund der schlechten finanziellen Situation der Biebertalbahn war der damit verbundene Rückgang der beförderten Personen um über 20 Prozent besonders prekär.

Als die Stadtwerke Gießen 1951 den Vorschlag des Wetzlarer Landrats Monzen zur Bildung einer Verkehrsgemeinschaft zwischen der Kleinbahn und den städtischen Bussen ablehnten, war das Schicksal des Personenverkehrs besiegelt. Am Ostermontag 1952 (14. April) wurde die Personenbeförderung der Biebertalbahn eingestellt.

Für eine Steigerung des Güterverkehrs bestanden 1952 gute Aussichten, da in jenem Jahr bei Königsberg die Errichtung eines neuen Eisenerzbergwerkes begann. Trotzdem standen der Biebertalbahn zunächst noch wirtschaftlich schwierige Jahre bevor, da die Grube Königsberg 1955 durch einen Wassereinbruch „ersoff“.

Erst 1959 konnte die planmäßige Erzgewinnung in dem neuen Bergwerk beginnen. Im Jahre 1962 erreichte die Biebertalbahn mit 111.127 Tonnen die mit Abstand höchste Güterbeförderung in ihrer Geschichte, wobei mehr als 95 Prozent auf die Grube Königsberg entfielen. Im selben Jahr wurde auch der höchste Betriebsüberschuss in der Bahngeschichte erzielt.

Die Grube Königsberg im April 1963

Aufgrund tiefgreifender Veränderungen im internationalen Eisenerzbergbau durch die Erschließung von überseeischen Großtagebauen sowie einem Verfall der Seefrachten durch immer größere Schiffe wurde der inländische Eisenerzbergbau ab Ende der fünfziger Jahre zunehmend unrentabler. Im Gefolge dieser Entwicklung musste auch die Grube Königsberg ihre Erzgewinnung einstellen.

Am 30. April 1963 wurde im Königsberger Eisenerzbergbau die letzte Förderschicht verfahren. Am selben Tag verkehrte der letzte Erzzug zwischen Bieber und Abendstern. Durch den Bergbau im Raum Biebertal war die Kleinbahn entstanden. Mit der Einstellung des Bergbaus war auch ihr Ende gekommen.

Die Bahngeschichte des Biebertales hat der Heimatverein Rodheim-Bieber insbesondere durch die von ihm ausgerichtete Feier zum 100. Geburtstag der Biebertalbahn im August 1998 einer überregionalen Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerufen. Eine besondere Attraktion bildete dabei die glücklicherweise erhaltene Lok 60 der Biebertalbahn, die aus diesem Anlass von der Plettenberger Museumseisenbahn ausgeliehen werden konnte. Auch wenn dieses Großereignis so bald nicht wiederholt werden kann, möchte der Heimatverein durch Diavorträge und Filmvorführungen sowie montanhistorische Wanderungen auch in Zukunft die Bergbau- und Bahngeschichte im Gedächtnis der Menschen lebendig erhalten.

Bei der Festveranstaltung des Heimatvereins Rodheim-Bieber im August 1998 wurde auch das Buch "Die Biebertalbahn" von Dr. Rainer Haus vorgestellt, das die hiesige Bergbau- und Bahngeschichte in Wort und Bild ausführlich darstellt.

Bieberliesfest im August 1998:
Heizer Henry Pujade (links) und Hans Rink, der Besitzer der Bieberlies, vor der Lok 60

 

Bücher

  • "Die Biebertalbahn" von Dr. Rainer Haus

Video/DVD
  • Biebertalbahn und Grube Königsberg 2013
Modelle/Denkmal
  • 1998 Baun eines Bieberlies-Modells 1:3. Heutiger Standort unter einer Plexiglashaube  im Foyer des Rodheimer Bürgerhauses.
  • 2015 Einrichtung von Erzbergbau-Tafeln und Exponaten im Kellergeschoss des Heimatmuseums.
  • 2016 Industriedenkmal der Bieberlies auf dem Bahndamm vor der Hof Schmitte.

 

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