{"id":74,"date":"2018-10-14T16:16:02","date_gmt":"2018-10-14T14:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/?page_id=74"},"modified":"2019-04-12T09:12:00","modified_gmt":"2019-04-12T07:12:00","slug":"erzbergbau-huettenwesen-bieberlies","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/arbeitskreise\/erzbergbau-huettenwesen-bieberlies\/","title":{"rendered":"Erzbergbau &#8211; H\u00fcttenwesen &#8211; Bieberlies"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verantwortlich:\u00a0<\/strong>Dr. Rainer Haus, Hauptstr. 61, 35444 Biebertal-Bieber, Tel.: 06409\/7890<\/p>\n<p>Die Gruppe besteht seit Gr\u00fcndung des Vereins im Jahr 1995.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Montan- und Bahnhistorie im Raum Biebertal im \u00dcberblick<\/strong><\/h2>\n<p>Von Rainer Haus<\/p>\n<p><em>Mit der keltischen Eisengewinnung und -verarbeitung am D\u00fcnsberg begann im heimischen Raum eine berg- und h\u00fcttenm\u00e4nnische Tradition, die mit der Aufgabe der Erzgewinnung in der erst seit Mitte 1959 in regelm\u00e4\u00dfigem Betrieb stehenden Eisenerzgrube an der Stra\u00dfe von Bieber nach K\u00f6nigsberg im April 1963 endete. Zeitgleich kam es zur Betriebseinstellung der Biebertalbahn, da die neue Grube K\u00f6nigsberg der Hauptverfrachter gewesen war.<\/em><\/p>\n<p><strong>Eine der qualitativ besten Erzlagerst\u00e4tten an Lahn und Dill<\/strong><\/p>\n<p>Von der Erzlagerst\u00e4tte in der N\u00e4he von Hof Moritzburg, westlich von K\u00f6nigsberg, d\u00fcrfte der Erzbergbau im Bereich der heutigen Gemeinde Biebertal im Wesentlichen ausgegangen sein, handelte es sich doch bei der alten Grube K\u00f6nigsberg um eine f\u00fcr das Lahn-Dill-Gebiet qualitativ hervorragende Eisenerzlagerst\u00e4tte. In der n\u00e4heren Umgebung dieser wohl jahrtausendealten Erzgewinnungsst\u00e4tte befanden sich zahlreiche Schlackenhalden fr\u00fcherer Waldschmieden, die nach m\u00fcndlicher Mitteilung meines Gro\u00dfvaters Ludwig Scherer in K\u00f6nigsberg wegen ihres noch hohen Eisengehaltes im Ersten Weltkrieg abtransportiert und erneut verh\u00fcttet worden waren.<\/p>\n<p>Im Biebertal ist die Eisengewinnung und -verarbeitung in der Zeit des Mittelalters eindeutig belegt. So hei\u00dft es in \u201eGlypergs alt Buchlin\u201c (1412) dass die Waldschmiede bei Rodheim Eisenabgaben an das \u201eslos Glyperg\u201c zu leisten hatte. Nach Adrian van der Hoop handelte es sich bei der Schmitte um ein mit Wasserkraft betriebenes Hammerwerk, das sein Eisen von Schmelzst\u00e4tten im benachbarten Walddistrikt Launscheid bezogen hatte.<\/p>\n<p>In M\u00fchlenakten der Waldm\u00fchle bei Bieber aus dem Jahre 1783 wird ein \u201evormalige(r) Schmelzh\u00fctten Platz\u201c genannt, der sich \u201egleich oberhalb der Waldm\u00fchl\u201c befunden hatte. Zumindest ein Teil des Erzbedarfes dieses Eisenwerkes d\u00fcrfte von den kalkhaltigen Erzlagerst\u00e4tten im Bereich des Rillscheides zwischen Bieber und Rodheim gedeckt worden sein. Die Grube Rillscheid wurde noch bis zu Beginn der 1850er Jahre von der Ludwigsh\u00fctte bei Biedenkopf betrieben, mit einer Belegschaft von sechs bis zehn Bergleuten.<\/p>\n<p><strong>Staatliche Eisengewinnung und -verarbeitung im Biebertal<\/strong><\/p>\n<p>Die Lagerst\u00e4tte der alten Grube K\u00f6nigsberg bildete nach den \u00fcberlieferten H\u00fcttenakten die haupts\u00e4chliche Erzbasis der von 1659 bis 1749 bei der Steinm\u00fchle im oberen Biebertal betriebenen landgr\u00e4flichen Eisenh\u00fctte, deren Roheisen auf dem Heuchelheimer Hammerwerk weiterverarbeitet wurde. Der ersten erhaltenen H\u00fcttenrechnung der Bieberer H\u00fctte von 1688 zufolge wurde neben K\u00f6nigsberger Eisenerz \u201eHanauer Eisenstein\u201c verschmolzen und somit auch die Erzlagerst\u00e4tten im Umfeld von Hof Haina zwischen Bieber und Waldgirmes bereits zu dieser Zeit abgebaut. Wegen Holzkohlenmangels im n\u00e4heren Umfeld kamen H\u00fctten- und Hammerwerk im Biebertal Mitte des 18. Jahrhunderts zum Erliegen.<\/p>\n<p>Von 1664 an wurde das K\u00f6nigsberger Erz auch auf der ebenfalls landgr\u00e4flichen Eisenh\u00fctte bei Biedenkopf verschmolzen, die 1771 erstmals als \u201eLudwigsh\u00fctte\u201c bezeichnet wird und durch das K\u00f6nigsberger Erz eine erheblich h\u00f6here Leistungsf\u00e4higkeit erlangte. Der Erztransport erfolgte mehr als anderthalbjahrhundertelang durch Bauern aus dem Raum Biedenkopf im Rahmen der Frondienste. In seinem gro\u00dfen Standardwerk \u201eGeschichte des Eisens\u201c aus dem Jahre 1899 spricht Ludwig Beck in diesem Zusammenhang von \u201eden reichen Erzen von K\u00f6nigsberg\u201c.<\/p>\n<p><strong>Grubenfeld Eleonore \u2013 der Beginn einer gro\u00dfen Erfolgsgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten schriftlich belegten bergbaulichen Aktivit\u00e4ten im Bereich des D\u00fcnsberges in der Gemeinde Fellingshausen unternahmen J.W. Buderus S\u00f6hne zu Friedrichsh\u00fctte bei Laubach 1826 im Distrikt Buchholz bzw. dem Buchholzgraben, in dessen oberen Teil Brauneisensteine durch das Wasser freigesp\u00fclt worden waren.<\/p>\n<p>Der Beginn der sp\u00e4ter sehr bedeutenden Grube Eleonore in der Gemarkung Fellingshausen geht nach m\u00fcndlicher Mitteilung meines Gro\u00dfvaters Ludwig Scherer auf einen K\u00f6nigsberger Einwohner namens Weber zur\u00fcck. Dieses hochmanganhaltige Brauneisensteinlager, das 1856 zur Verleihung des Grubenfeldes Eleonore f\u00fchrte, war nach den Worten meines Gro\u00dfvaters von Weber bei der Verrichtung eines menschlichen Bed\u00fcrfnisses entdeckt worden, der wohl aufgrund der K\u00f6nigsberger Bergbautradition \u00fcber eine einschl\u00e4gige Expertise verf\u00fcgte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-224\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_eleonore_640x480-533x400.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_eleonore_640x480-533x400.jpg 533w, https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_eleonore_640x480.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><br \/>\nDie Belegschaft der Grube Eleonore, im Jahre 1887<\/p>\n<p>Im Hochkonjunkturjahr 1872 ging die Grube Eleonore an das Unternehmen Gebr\u00fcder Stumm im Saargebiet \u00fcber, einem der zu dieser Zeit bedeutendsten Montankonzerne im Deutschen Reich. Stumm baute die Grube Eleonore in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg zu einem f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse gro\u00dfen Bergwerk mit zwei Schachtanlagen, dem Ost- und dem Westschacht, aus. Mit dem Vortrieb des \u201eIda-Stollens\u201c als F\u00f6rder- und Wasserl\u00f6sungsstollen ab 1890 wurden die Tagesanlagen in den Ortsbereich von Bieber verlegt und ab 1898 auch die Erzverladung in die neu er\u00f6ffnete Biebertalbahn parallel zur heutigen Stra\u00dfe \u201eAm Baumgarten\u201c verlegt. 1907 ging auch ein unternehmenseigenes Elektrizit\u00e4tswerk in Betrieb, da Bieber zu der damaligen Zeit noch nicht elektrifiziert war. Auf der Weltausstellung in Chicago 1893 wurde auch Erz von Grube Eleonore mit ihren qualitativ und quantitativ besten Lagerst\u00e4tten am Fu\u00dfe des D\u00fcnsberges gezeigt.<\/p>\n<p>Weitere Bergwerke in der Gemarkung Fellingshausen waren die Gruben Elisabeth sowie Friedberg von Buderus und Meilhardt, wobei letztere 1873 von dem Schalker Gruben- und H\u00fcttenverein erworben wurde.<\/p>\n<p>Zwischen der Reehm\u00fchle im Biebertal und Hof Haina waren \u201everlassene alte Pingen\u201c bereits in den 1840er Jahren \u2013 im Gefolge der Er\u00f6ffnung des Gie\u00dfener Braunsteinbergwerkes \u2013 in den Fokus von Bergbauunternehmern geraten, zu denen auch der damalige Besitzer des Gie\u00dfener Braunsteinbergwerkes Wilhelm Briel geh\u00f6rte. Seit 1880 bestand die bergrechtliche Gewerkschaft Abendstern, deren 100 Kuxe Briel und die Montanindustriellenfamilie Jung jeweils zur H\u00e4lfte im Besitz hatten. Den im Dillgebiet sehr bedeutenden Eisenindustriellen Jung geh\u00f6rte seit 1869 auch die schon Mitte der 1830er Jahre zusammen mit der Ludwigsh\u00fctte privatisierte alte K\u00f6nigsberger Eisenerzgrube.<\/p>\n<p><strong>Kurz und langfristige Impulse durch den Bau der Biebertalbahn<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem Bau der Kleinbahn Gie\u00dfen\u2013Bieber in den Jahre 1897\/98 hatten die Gruben im Bereich Biebertal einen erheblichen Standortnachteil gegen\u00fcber den im n\u00e4heren Umfeld einer Bahnlinie gelegenen Betrieben wie den Gie\u00dfener Braunsteinbergwerken, da die Vorfracht bis zur n\u00e4chsten Bahnstation von den Bergbautreibenden zu tragen war.<\/p>\n<p>Auch nach der Er\u00f6ffnung der neuen Bahnlinie von Lollar nach Wetzlar 1878 als Teilst\u00fcck der strategischen \u201eKanonenbahn\u201c von Berlin nach Metz musste das Erz zun\u00e4chst weiterhin mit Fuhrwerken zum Bahnhof Gie\u00dfen gefahren werden, da die Steigung zum Bahnhof Kinzenbach f\u00fcr beladene Erzfuhrwerke zu gro\u00df war. Eine Teill\u00f6sung des Transportproblems konnte schlie\u00dflich 1888 erreicht werden, indem die Gewerkschaft Abendstern am Schnittpunkt der Strecke Lollar\u2013Wetzlar mit der Stra\u00dfe von Gie\u00dfen nach Rodheim auf eigene Kosten eine Erzverladestellte errichtete und ihr den Namen \u201eAbendstern\u201c gab. Die neue Erzverladeanlage verbilligte den Fuhrwerkstransport und f\u00fchrte zur Wiederinbetriebnahme der Gruben Friedberg, Elisabeth und Meilhardt am Fu\u00dfe des D\u00fcnsberges.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-225\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_bieberlies_640x480-533x400.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_bieberlies_640x480-533x400.jpg 533w, https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_bieberlies_640x480.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><br \/>\nDie Bieberlies am Ortsausgang von Bieber im April 1963<\/p>\n<p>Nach zahlreichen, aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden fehlgeschlagenen Bahnprojekten durch das Biebertal seit der zweiten H\u00e4lfte der 1860er Jahre konkretisierte sich seit Mitte der 1890er Jahre die Verwirklichung einer Bahnlinie von Gie\u00dfen nach Bieber in Form einer erheblich kosteng\u00fcnstigeren Schmalspurbahn. Dieses Projekt wurde seit Anfang 1896 von der \u201eAllgemeine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft\u201c betrieben. Nach der Erteilung der Konzessionen f\u00fcr den hessischen und preu\u00dfischen Teil der Strecke im M\u00e4rz bzw.\u00a0 Juni 1897 wurde noch im selben Jahr der Ingenieur und Bauunternehmer August von Mulert mit dem Bahnbau beauftragt. Trotz verschiedener Wiederst\u00e4nde in Heuchelheim und Rodheim konnte der Personenverkehr am 19. August 1898 und der Erz- und Kalktransport am 20.\u00a0 Oktober 1898 aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Bei der Betriebser\u00f6ffnung verf\u00fcgte die Biebertalbahn, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Volksmund \u201eBieberlies\u201c genannt wurde, \u00fcber drei Lokomotiven von Krauss in M\u00fcnchen. Diese trugen die Namen \u201eGIESSEN\u201c, \u201eABENDSTERN\u201c und\u00a0 \u201eRODHEIM\u201c. F\u00fcr die Sch\u00fcttg\u00fcter Erz und Kalk waren 54 Kippwagen vorhanden. 1898\/99 wurden insgesamt acht Personenwagen angeschafft, hinzu kamen zwei Post- und Gep\u00e4ckwagen, zwei gedeckte G\u00fcterwagen und vier offene G\u00fcterwagen.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend der Bauphase der Biebertalbahn waren de facto die Weichen f\u00fcr die sp\u00e4tere Ansiedlung der Firma Schunk\u00a0 &amp; Ebe \u2013heutiger Weltkonzern Schunk\u2013 an der Bahnstrecke gestellt worden: Christian Duill der Besitzer der Gastst\u00e4tte \u201eWindhof\u201c hatte diese 1897 abrei\u00dfen und anschlie\u00dfend an gleicher Stelle einen gro\u00dfen, architektonisch beeindruckenden Neubau errichten lassen. In diesen Geb\u00e4udekomplex, der auch \u00fcber einen \u201eRittersaal\u201c f\u00fcr 800 Personen verf\u00fcgte, zog 1918 die Kohlenb\u00fcrstenfabrik Schunk &amp; Ebe ein. Das alte, auf das Jahr 1810 zur\u00fcckgehende Wirtshaus \u201eWindhof\u201c h\u00e4tte Schunk &amp; Ebe wohl kaum als neuen Produktionsstandort f\u00fcr das 1913 in Fulda gegr\u00fcndete und dort in gemieteten R\u00e4umen arbeitende Unternehmen erworben.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war im Bereich der heutigen Gemeinde Biebertal lediglich noch die Grube Eleonore in Betrieb, alle anderen hiesigen Grubenbetriebe waren zu diese Zeit wegen Unwirtschaftlichkeit bzw. des Preisdruckes durch ausl\u00e4ndische Erze bereits eingestellt.<\/p>\n<p>Infolge der gegnerischen Seeblockade w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges gewann der gesamte Inlandsbergbau in den Kriegsjahren wieder sehr stark an Bedeutung. Die gravierende Erzverknappung f\u00fchrte dazu, dass sich der D\u00fcsseldorfer Mannesmann-Konzern auch im Biebertal und bei K\u00f6nigsberg engagierte. So erwarben die Mannesmannr\u00f6hren-Werke die Gewerkschaft Abendstern und die neugebildete bergrechtliche Gewerkschaft K\u00f6nigsberger Gemarkung und nahmen im Biebertal bei der Reehm\u00fchle 1917 die Erzgewinnung wieder auf bzw. begannen 1918 im Bereich der alten K\u00f6nigsberger Grube mit Aufschlussarbeiten. Buderus hatte seine 1903 eingestellte Grube Friedberg am Fu\u00dfe des D\u00fcnsberges bereit 1916 erneut in Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Die Grube Eleonore erreichte wegen der kriegswirtschaftlichen Bedeutung manganhaltiger Erze f\u00fcr die Stahlherstellung mit einer Gesamtf\u00f6rderung von rund 250.000 Tonnen Erz von 1914 bis 1818 H\u00f6chstst\u00e4nde bei der jeweiligen Jahresf\u00f6rderung und der Zahl der Besch\u00e4ftigten, zu denen damals auch Kriegsgefangene geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Zu Beginn der 1920er Jahre normalisierte sich der internationale Erzmarkt wieder, f\u00fcr manganhaltige Erze galt dies schon ab der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1920. Die Grube Friedberg, die noch 1920 eine Drahtseilbahn zur Biebertalbahn erhalten hatte, wurde bereits 1924 erneut eingestellt. Die Grube Abendstern, hier hatte Mannesmann vergeblich gehofft, die Fortsetzung der Lagerst\u00e4tten der Gruben Eleonore und Morgenstern in der Gemarkung Waldgirmes zu finden und im Hinblick darauf zwei Maschinensch\u00e4chte abgeteuft, folgte 1925. Allerdings kam es bereits ab 1927 zu einer erneuten Aufnahme der Erzgewinnung, da 1926 Haldenbest\u00e4nde als Farberz an Ziegeleien abgesetzt werden konnten.<\/p>\n<p>Mitte M\u00e4rz 1929 musste die Grube Eleonore wegen weitgehender Ersch\u00f6pfung des Erzvorkommens unter dem heute noch vorhandenen gro\u00dfen alten Tagebau auch den Ostschacht stilllegen. Bereits im Oktober 1928 war der in Richtung des Biebertals gelegene Westschacht aufgegeben worden. Die Gesamtf\u00f6rderung dieses Bergwerkes erreichte rund 1,7 Millionen Tonnen.<\/p>\n<p>Unter Hinweis auf die Einstellung der Grube Eleonore hei\u00dft es im Gesch\u00e4ftsbericht der Biebertalbahn f\u00fcr 1930: \u201eEs d\u00fcrften der Bahn daher schwere Zeiten bevorstehen.\u201c Die 1931 beginnende Verlustperiode des Bahnbetriebes sollte bis 1939 anhalten.<\/p>\n<p>Die erfolgreichen Untersuchungsarbeiten im Bereich der Grube K\u00f6nigsberger Gemarkung f\u00fchrten dazu, dass der Mannesmann-Konzern hier Mitte der 1920er Jahre eine f\u00fcr die damalige Zeit moderne Tagesanlage mit Erzaufbereitung errichtete und durch eine 4,2 Kilometer lange Drahtseilbahn mit dem Verladegleis der Biebertalbahn im Kehlbachtal bei Bieber verband.<\/p>\n<p>Infolge der im Herbst 1929 \u00a0begonnenen Weltwirtschaftskrise mussten neben zahlreichen anderen Erzbergwerken im Lahn-Dill-Gebiet und in Oberhessen auch die Mannesmann-Grubenbetriebe bei K\u00f6nigsberg und Bieber im August bzw. Oktober 1931 stillgelegt werden. Die Grube Abendstern konnte allerdings bereits nach nur siebenmonatigem Stillstand die Erzgewinnung Mitte Mai 1932 wieder aufnehmen, da es im Fr\u00fchjahr 1932 zu einer gewissen Belebung der Baukonjunktur in Deutschland kam und die Baustoffindustrie wieder zunehmend Farberz einsetzte.<\/p>\n<p>Im Zuge der staatlichen Forderungen nach Mehreinsatz von Inlandserz durch die rheinisch-westf\u00e4lischen H\u00fcttenwerke ab Mai 1933 konnte auch die Grube K\u00f6nigsberger Gemarkung am 9. Juni 1933 die F\u00f6rderung wieder aufnehmen. Dies war problemlos m\u00f6glich, da die Wasserhaltung w\u00e4hrend der Stilllegungsphase nicht eingestellt worden war.<\/p>\n<p>1932 hatte die G\u00fcterbef\u00f6rderung der Biebertalbahn mit nur 4.753 Tonnen ihren absoluten Tiefstand erreicht. 1933 wurden 12.800 Tonnen G\u00fcter bef\u00f6rdert, wobei mehr als Dreiviertel dieser Bef\u00f6rderungsmenge auf die beiden Erzgruben von Mannesmann entfielen. Wegen der weitgehenden Einstellung der Gleisunterhaltungsarbeiten bei der Kleinbahn Gie\u00dfen-Bieber wegen der anhaltenden Verlustphase des Bahnbetriebes kam es 1936 sogar zur spektakul\u00e4ren Entgleisung eines Erzzuges bei Rodheim. 1938 nahm die Bahnverwaltung \u00dcbernahmeverhandlungen mit Buderus (deren Grube Friedberg damals vor der Wiederaufnahme der Erzgewinnung stand) und der Stadt Gie\u00dfen auf. Die alte Grube K\u00f6nigsberg von Mannesmann galt zu dieser Zeit als nahezu ersch\u00f6pft (konnte aber durch gute Neuaufschl\u00fcsse in den folgenden Jahren noch bis Ende der 1940er Jahre weiterbetrieben werden). Die bereits aufgenommenen Verkaufsverhandlungen zwischen der Bahngesellschaft und der Stadt Gie\u00dfen, die schon damals an einer Eingemeindung des Industrieortes Heuchelheim interessiert war, wurden 1940 unter Hinweis auf den G\u00fcterverkehr zwischen Bieber und dem Bahnhof Abendstern abgebrochen und im Oktober 1942 der Stadt der \u201eWunsch\u201c des Reichswirtschaftsministers mitgeteilt, die Verhandlungen f\u00fcr die Dauer des Krieges auszusetzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges waren bei der Biebertalbahn\u00a0 franz\u00f6sische Kriegsgefangene eingesetzt, f\u00fcr die am Bahnhof Abendstern ein Lager errichtet worden war. Zu diesen Kriegsgefangenen geh\u00f6rte Henry Pujade, der nach dem Krieg eine Rodheimerin heiratete und bis zu seinem Tode im Jahre 2010 hier wohnte; zeitlebens blieb er der \u201eBieberlies\u201c emotional verbunden.<\/p>\n<p>Nach dem Luftangriff auf Gie\u00dfen am 6. Dezember 1944 bef\u00f6rderte die Biebertalbahn die Ausgebombten mit ihrer noch vorhandenen Habe tagelang kostenlos in ihre neuen Unterk\u00fcnfte im Raum Biebertal und zur\u00fcck. Zu den zerst\u00f6rten Geb\u00e4uden geh\u00f6rte auch der Kleinbahnhof in Gie\u00dfen an der heutigen alten Lahnbr\u00fccke. Werkstatt und \u00f6rtliche Verwaltung der Bahn befanden sich seitdem in Bieber.<\/p>\n<p>Aufgrund des Sozialisierungsartikels 41 der Hessischen Verfassung, der auch \u201edas an Schienen oder Oberleitungen gebundene Verkehrswesen\u201c umfasste,\u00a0 kam die Biebertalbahn 1947 unter\u00a0 Treuhandverwaltung.<\/p>\n<p>In der Personenbef\u00f6rderung erreichte die Kleinbahn 1947 mit 948.812 Fahrg\u00e4sten den h\u00f6chsten Stand in ihrer Geschichte. Dieser Rekord war zum einen durch die \u201eHamsterfahrten\u201c in der Nachkriegszeit, aber auch durch den Zuzug von Heimatvertriebenen in die Gemeinden des Biebertals bedingt. 19 Heimatvertriebene fanden damals auch einen Arbeitsplatz im Bahnbetrieb, wobei der Belegschaftsstand 1948\/49 mit mehr als 40 Besch\u00e4ftigten ebenfalls einen H\u00f6chststad erreichte.<\/p>\n<p>Ebenfalls seit 1948 war die Stadt Gie\u00dfen erneut an einer Eingemeindung von Heuchelheim interessiert. So wurde Anfang Juli 1949 die Buslinie Gie\u00dfen\u2013Heuchelheim er\u00f6ffnet, die die Stadtwerke Ende des Jahres auf Oberleitungsbetrieb umstellten. Mit der Er\u00f6ffnung der O-Buslinie verlor die Biebertalbahn mehr als 20 Prozent ihrer Fahrg\u00e4ste. F\u00fcr die Kleinbahn wirtschaftlich erschwerend war im selben Jahr\u00a0 hinzugekommen, dass die alte K\u00f6nigsberger Grube im April 1949 ihren Betrieb wegen Ersch\u00f6pfung der Lagerst\u00e4tte endg\u00fcltig eingestellt hatte.<\/p>\n<p>Die seit der W\u00e4hrungsreform anhaltende Verlustsituation des Bahnbetriebes f\u00fchrte schlie\u00dflich dazu, das trotz vorangegangener Proteste der heimischen Bev\u00f6lkerung und der Bem\u00fchungen des Wetzlarer Landrates Monzen um die Bildung einer Verkehrsgemeinschaft zwischen der Biebertalbahn und den Stadtwerken Gie\u00dfen, der Personenverkehr der Bahn am Ostermontag 1952 eingestellt wurde. Ab dem 15. April 1952 \u00fcbernahm ein Busunternehmen aus Erda die Personenbef\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Aufgrund der Verpflichtung zur R\u00fcckzahlung der Betriebszusch\u00fcsse\u00a0 seit 1948 verkaufte die Frankfurter Bahngesellschaft die Biebertalbahn 1953 an das Land Hessen. Daneben erwarb das Land 1953 auch die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn. Da beide Bahnen \u00fcber keine eigene Rechtspers\u00f6nlichkeit verf\u00fcgten, kam es 1955 zur Gr\u00fcndung der Hessischen Landesbahn (HLB) als Auffanggesellschaft. Die Betriebsf\u00fchrung der Biebertalbahn verblieb weiterhin bei der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft m.b.H., einer Tochtergesellschaft der AG f\u00fcr Verkehrswesen.<\/p>\n<p>Auch die Grube Friedberg am Fu\u00dfe des D\u00fcnsberges war aufgrund des Sozialisierungsartikels 41 der Hessischen Verfassung einer Treuhandverwaltung unterstellt worden und wurde ein Betrieb der Hessische Berg- und H\u00fcttenwerke AG, seit 1954 hatte Buderus an dieser Gesellschaft eine Sperrminorit\u00e4t von 26 Prozent des Aktienkapitals. Die Mannesmann-Gruben verblieben dem D\u00fcsseldorfer Konzern, da sein Unternehmenssitz \u2013 im Gegensatz zu Buderus \u2013 nicht in Hessen lag.<\/p>\n<p>Trotz der Einstellung des Personenverkehrs am 14. April 1952 blickte die Verwaltung der Biebertalbahn im selben Jahr optimistisch in die Zukunft. Der Grund hierf\u00fcr war die projektierte neue Grube K\u00f6nigsberg von Mannesmann an der Stra\u00dfe von Bieber nach K\u00f6nigsberg. Hier war durch Tiefbohrungen eine Erzlagerst\u00e4tte nachgewiesen und im August 1952 mit dem Abteufen eines neuen Schachtes begonnen worden. Der Lagerst\u00e4tteninhalt wurde mit etwa einer Million Tonnen Erz veranschlagt, einer Menge, die etwa 10.000 Erzz\u00fcgen der Biebertalbahn entsprach; 1954 wurden Lokschuppen und Werkstatt am Bahnhof Bieber grundlegend erneuert.<\/p>\n<p>Obwohl der neue K\u00f6nigsberger Grubenbetrieb mit Wassereinbr\u00fcchen zu k\u00e4mpfen hatte, wobei der Wassereinbruch im September 1955 zu weiteren gro\u00dfen Kosten und diesmal jahrelangen Verz\u00f6gerungen f\u00fchrte, hielt Mannesmann an der Inbetriebnahme dieser modernen Schachtanlage fest. Im Juni 1959 wurde hier die planm\u00e4\u00dfige Erzgewinnung mit zun\u00e4chst rund 2.000 Tonnen im Monat aufgenommen. Zu dieser Zeit hoffte Mannesmann noch, in K\u00f6nigsberg kostendeckend arbeiten zu k\u00f6nnen. Allerdings hatten sich die Rahmenbedingungen bereits seit dem Vorjahr verschlechtert. So gingen die Erzpreise und die internationalen Seefrachten seit dem h\u00f6chsten Stand der Erzpreise 1957 kontinuierlich zur\u00fcck. Erschwerend hinzu kam die von der Hohen Beh\u00f6rde der Montanunion Anfang 1958 verf\u00fcgte Aufhebung der Frachtausnahmetarife der Bahn f\u00fcr mineralische Brennstoffe und Erze, die zu einer schrittweisen Erh\u00f6hung der Bahnfrachten bis Mitte 1960 f\u00fchrte. Im Fr\u00fchjahr 1961 kam es durch die DM-Aufwertung dann zu einer weiteren Verbilligung der Auslandserze um rund f\u00fcnf Prozent.<\/p>\n<p>1958 erreichte der G\u00fctertransport der Biebertalbahn mit 27.300 Tonnen den niedrigsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre. Ausschlaggebend hierf\u00fcr war die teilweise Verlagerung der Kalksteintransporte auf LKW&#8217;s und die Stilllegung der Grube Abendstern im Biebertal. Im Februar 1959 beschloss der Aufsichtsrat der Hessischen Landesbahn die Einstellung des Bahnbetriebes, nachdem zuvor gef\u00fchrte \u00dcbernahmeverhandlungen mit den Bergbautreibenden gescheitert waren. Durch die Aufnahme der F\u00f6rderung in der neuen Grube K\u00f6nigsberg Mitte 1959 arbeitete die Biebertalbahn jedoch wieder mit Gewinn und der Stilllegungsbeschluss wurde infolgedessen nicht umgesetzt.<\/p>\n<p>Trotz der Einstellung der Grube Friedberg Ende Januar 1961 hielt die positive Entwicklung der Kleinbahn an. So stieg der G\u00fctertransport von 65.779 Tonnen im Jahre 1960 auf 87.400 Tonnen im Folgejahr und erreichte mit \u00fcber 111.000 Tonnen 1962 seinen absoluten H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p>Das Ende der Erzgewinnung auf Grube K\u00f6nigsberg am 30. April 1963 bedeutete zugleich das Ende der Biebertalbahn, die ohne den hiesigen Bergbau niemals gebaut worden war und mit ihm zur Einstellung kam. Damit ging eine Epoche zu Ende, die jedoch in den Herzen der Menschen bis heute weiterlebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h2><strong>Grube K\u00f6nigsberg \u2013 \u201evon besonderer industriegeschichtlicher Bedeutung\u201c<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Bereits seit 1934 hatte Mannesmann in der Umgebung der Grube K\u00f6nigsberger Gemarkung die vermutete Fortsetzung der Lagerst\u00e4tte\u00a0 durch Tiefbohrungen zu finden versucht, zun\u00e4chst ohne Erfolg. Nach der Einstellung der Erzgewinnung wegen Ersch\u00f6pfung der Lagerst\u00e4tte im April 1949 wurden die Bohrungen durch den Einsatz eines zweiten Tiefbohrger\u00e4tes intensiviert.<\/p>\n<p>Einer Empfehlung meines Vaters Wilhelm Haus folgend \u2013 der 45 Jahre im Bieberer und K\u00f6nigsberger Bergbau von Mannesmann t\u00e4tig war \u2013 entschloss sich der Leiter der Bergverwaltung Gie\u00dfen von Mannesmann, Bergassessor a.D. Otto Kippenberger, 1948 zu einer Erkundungsbohrung mehr als einen Kilometer \u00f6stlich der alten Grube an der Stra\u00dfe von Bieber nach K\u00f6nigsberg in H\u00f6he der ehemaligen Oberf\u00f6rsterei Strupbach. Zwar wurde auch diese erste Erkundungsbohrung noch nicht f\u00fcndig, doch lie\u00dfen gewisse geologische Anzeichen (Wechsel von Schalstein\/Kalk) auf das Vorhandensein eines Erzlagers schlie\u00dfen. Durch weitere Bohrungen konnte in den folgenden Jahren in einer Tiefe von 150 bis 300 Meter eine Erzlagerst\u00e4tte nachgewiesen werden. Der Lagerinhalt wurde mit etwa einer Million Tonnen Eisenerz mit h\u00f6heren Kalkanteilen veranschlagt. Der zu Beginn der 1950er Jahre noch bestehende Bedarf in inl\u00e4ndischen Eisenerzen lie\u00df Mannesmann zu dem Entschluss kommen, diese Erzlagerst\u00e4tte durch eine neue Schachtanlage zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Abteufen des neuen Schachtes, dessen Ansatzpunkt sich 1,3 Kilometer \u00f6stlich des alten Grubenbetriebes befand, begann am 8. August 1952. Die Anfangsbelegschaft bestand aus 20 Bergleuten und Handwerkern sowie zwei Steigern. Trotz der Notwendigkeit, den Schacht komplett mit Beton auszukleiden, konnte bereits am 23. Januar 1953 die zun\u00e4chst geplante Teufe von 160 Meter erreicht werden. Im Vergleich zur h\u00f6her gelegenen alten Grube K\u00f6nigsberg waren hier die Wasserzufl\u00fcsse bereits beim Schachtabteufen st\u00e4rker und machten f\u00fcr die im Schacht arbeitenden Bergleute wasserdichte Schutzkleidung notwendig.<\/p>\n<p>Am 17. Oktober 1953 kam es auf der 160-m-Sohle zu einem Wassereinbruch (2,5 m3\/Min.). Da die zu dieser Zeit installierten Pumpen (Gesamtleistung 1,2 m3\/Min.) diese Wassermenge nicht bew\u00e4ltigen konnten, brachte das zulaufende Wasser die untert\u00e4gigen Grubenbaue sehr schnell zum Ersaufen. Nach etwa drei Monaten waren die Untertageanlagen jedoch wieder ges\u00fcmpft.<\/p>\n<p>Um die f\u00fcr den Abbau vorzurichtenden Erzmengen wesentlich zu erh\u00f6hen, wurde der neue Schacht im ersten Halbjahr 1955 um 50 Meter weiter abgeteuft und die 210-m-Sohle gebildet. Dar\u00fcber hinaus konnten im Sommer 1955 die Tagesanlagen der Grube K\u00f6nigsberg vollendet werden. Im ersten Halbjahr war die Erzf\u00f6rderung mit zun\u00e4chst 200 bis 300 Tonnen pro Monat aufgenommen worden, die bei der Aus- und Vorrichtung der Lagerst\u00e4tte anfielen.<\/p>\n<p>In der Nacht vom 12. zum 13. September 1955 kam es auf der 160-m-Sohle zu einem zweiten Wassereinbruch. Diesmal erreichte die Sch\u00fcttung 12 m3\/Min.,\u00a0 bei einer inzwischen auf 8,7 m3\/Min. erh\u00f6hten Pumpenkapazit\u00e4t. In Verbindung mit diesem erneuten Wassereinbruch versickerten der Strupbach und der Bieberbach f\u00fcr mehrere Wochen. Zugleich fiel der in der N\u00e4he der Oberm\u00fchle im Biebertal gelegene Trinkwasserbrunnen der Gemeinde Fellingshausen trocken. Damit war die Durchl\u00e4ssigkeit der Kalkschichten bis in die neue Grube K\u00f6nigsberg offenbar geworden.<\/p>\n<p>Entgegen vielfachen Bef\u00fcrchtungen wurde die neue Grube K\u00f6nigsberg Mitte der 1950er Jahre nicht aufgegeben. Nicht weiteverfolgt wurde allerdings zu dieser Zeit der Plan, eine neue Seilbahn bis zu Biebertalbahn im Kehlbachtal bei Bieber zu bauen. In der Mannesmann Werkszeitung Nr. 4 von 1956 wird unter der \u00dcberschrift \u201eDeutscher Erzbergbau ist unentbehrlich\u201c einleitend ausgef\u00fchrt: \u201eEin Grundstofflieferant mit uralter Tradition und volkswirtschaftlicher Bedeutung, der bereits zweimal innerhalb einer Generation einen ma\u00dfgeblichen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Roheisenerzeugung der deutschen Industrie geleistet hat, darf nicht in Zeiten steigenden Erzhungers stillgelegt werden.\u201c Die S\u00fcmpfung der Grube K\u00f6nigsberg wird hier jedoch bereits als \u201eau\u00dferordentlich kostspielig und schwierig\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Anfang April 1956 begann Mannesmann von der neugebildeten 64-m-Sohle und aus dem Biebertal, in der N\u00e4he der Oberm\u00fchle, den Vortrieb des \u201eBiebertalstollens\u201c, der nicht als F\u00f6rder-, sondern als Wasserl\u00f6sungsstollen vorgesehen war. Bereits Anfang Februar 1957 war der 1.450 Meter lange Stollen vollendet. Die zweite S\u00fcmpfung der Grube K\u00f6nigsberg begann am\u00a0 1. Mai 1957. Hierf\u00fcr wurden vier Unterwasserpumpen mit einer Leistung von jeweils 7 m3\/Min. eingesetzt. Im Oktober 1957 waren die S\u00fcmpfungsarbeiten abgeschlossen und die Pumpenkapazit\u00e4t dauerhaft auf 29 Kubikmeter pro Minute erh\u00f6ht. Abh\u00e4ngig von Jahreszeit und Witterung errichtete das zuflie\u00dfende Wasser danach zwischen 3,5 und 5,2 Kubikmeter pro Minute, so dass eine ausreichende Pumpenreserve vorhanden war.<\/p>\n<p>Die planm\u00e4\u00dfige Erzgewinnung begann schlie\u00dflich im Juni 1959 mit zun\u00e4chst etwa 2.000 Tonnen Erz im Monat. Damals ging die Bergverwaltung Gie\u00dfen von Mannesmann noch davon aus, die Grube kostendeckend betreiben zu k\u00f6nnen. Die Roherzanalyse erreichte 1959 im Jahresdurchschnitt 33 Prozent Eisen, 20,9 Prozent Kalk und 11,4 Prozent Kiesels\u00e4ure. Mit der Intensivierung des Maschineneinsatzes in der Erzgewinnung ging der Eisengehalt in den folgenden Jahren auf etwa 28 Prozent zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Von 1959 an stieg die Zahl der Belegschaftsangeh\u00f6rigen und die H\u00f6he der Erzf\u00f6rderung von Jahr zu Jahr. Die Besch\u00e4ftigtenzahl der Grube K\u00f6nigsberg erreichte im Dezember 1961 mit 124 Mann ihren H\u00f6hepunkt. Schon seit Mai 1960 waren hier zehn Gastarbeiter aus Sardinien t\u00e4tig und damit erstmals seit den 1870er Jahren wieder italienische Bergleute im K\u00f6nigsberger Erzbergbau t\u00e4tig. Gegen Jahresende 1961 kamen noch neun Bergleute der zum 31. Dezember 1961 stillgelegten Grube Heinrichssegen bei Werdorf hinzu, denen damals ein sicherer Arbeitsplatz f\u00fcr zehn Jahre zugesichert worden war. 1962 \u00a0wurde bei einer Belegschaft von 95 Bergleuten und Handwerkern sowie sechs Steigern (im Jahresdurchschnitt) mit 105.147 Tonnen die h\u00f6chste Jahresf\u00f6rderung im K\u00f6nigsberger Eisenerzbergbau erreicht. Allerdings war seit Fr\u00fchjahr 1962 das Ende des Grubenbetriebes absehbar. Am 4. April 1962 wurde den Belegschaftsangeh\u00f6rigen in einer Betriebsversammlung die Einstellung der F\u00f6rderung f\u00fcr voraussichtlich Mitte 1963 angek\u00fcndigt, dennoch blieb die Leistungsbereitschaft ungebrochen, wie an der Entwicklung der F\u00f6rderung pro Mann und Schicht deutlich wurde, die im Februar 1963 4,99 Tonnen erreichte.<\/p>\n<p>Der Preis f\u00fcr Schwedenerz war seit der zweiten H\u00e4lfte der 1950er Jahre bis Anfang 1961 um nahezu 20 Prozent gesunken. Die DM-Aufwertung im Fr\u00fchjahr 1961 f\u00fchrte dann zu einer Verbilligung der Einfuhren um rund 5 Prozent und damit auch zu einer weiteren Kostensenkung f\u00fcr ausl\u00e4ndische Eisenerze. Erschwerend hinzu kam die Abschaffung der Frachtausnahmetarife f\u00fcr die heimischen Erze aufgrund einer Entscheidung der Hohen Beh\u00f6rde der Montanunion im Februar 1958. Die letzte Stufe der Erh\u00f6hung der Frachts\u00e4tze f\u00fcr heimisches Erz beim Bahntransport war am 1. Juli 1960 in Kraft getreten. Die Entscheidung \u00fcber die Stilllegung der inl\u00e4ndischen Eisenerzgruben der Mannesmann AG d\u00fcrfte Anfang 1962 gefallen sein. Die anderen im Eisenerzbergbau des Lahngebietes engagierten rheinisch-westf\u00e4lische Montankonzerne hatten die weitgehende Aufgabe ihres hiesigen Erzbergbaus schon im Oktober 1961 angek\u00fcndigt und Ende des Jahres 1961 mit der Einstellung der Grube Heinrichssegen mit der planm\u00e4\u00dfigen Minderabnahme heimischer Erze begonnen, die schlie\u00dflich Ende 1962 auch zur ersten Stilllegung der Grube Fortuna f\u00fchrte (endg\u00fcltige F\u00f6rdereinstellung 1983).<\/p>\n<p>Am 30. April 1963 wurde auf Grube K\u00f6nigsberg die Erzgewinnung eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Gesamtf\u00f6rderung der neuen Grube K\u00f6nigsberg 299.914 Tonnen betragen, die vom H\u00fcttenwerk der Mannesmann AG in Duisburg-Huckingen als kalkhaltiges Zuschlagerz zusammen mit ausl\u00e4ndischen Erzen von \u00fcber 60 Prozent Eisengehalt eingesetzt worden waren. 1963 wurden die sicheren Vorr\u00e4te der Grube K\u00f6nigsberg mit 215.000 Tonnen, die wahrscheinlichen Vorr\u00e4te mit 400.000 Tonnen und die m\u00f6glichen Vorr\u00e4te mit 500.000 Tonnen veranschlagt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-229\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_koenigsberg_640x480-533x400.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_koenigsberg_640x480-533x400.jpg 533w, https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_grube_koenigsberg_640x480.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><br \/>\nDie Grube K\u00f6nigsberg im April 1963<\/p>\n<p>Mit der Stilllegung der Grube K\u00f6nigsberg endete eine mehr als 2000j\u00e4hrige Montantradition im Gebiet der heutigen Gemeinde Biebertal. Zugleich kam das Ende der Biebertalbahn, die allein wegen der hiesigen Bodensch\u00e4tze Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden war und am Tag der letzten F\u00f6rderschicht auf Grube K\u00f6nigsberg ebenfalls ihren Betrieb einstellen musste, da ihre Existenzgrundlage damit entfallen war.<\/p>\n<p>Insbesondere K\u00f6nigsberg, aber auch Bieber und Fellingshausen waren noch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in hohem Ma\u00dfe Bergmannsd\u00f6rfer \u2013 in Verbindung mit Landwirtschaft als Nebenerwerb. Auch Einwohner von Rodheim waren noch zu Beginn der 1920er Jahre auf der Grube Morgenstern in der Gemarkung Waldgirmes t\u00e4tig, hatten sie doch nur einen gut zwei Kilometer langen Arbeitsweg nach den 1909\/10 errichteten neuen Tagesanlagen dieses\u00a0 Bergwerkes, das zu seiner Zeit zu den in jeder Hinsicht besten Gruben von Buderus geh\u00f6rte und auf dem traditionell auch viele Bergleute insbesondere aus K\u00f6nigsberg, aber auch aus Bieber arbeiteten.<\/p>\n<p>1986 schreibt Dr. Rainer Slotta, der damalige Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, in seinem Standardwerk \u201eTechnische Denkm\u00e4ler in der Bundesrepublik Deutschland, Band 5, zur Grube K\u00f6nigsberg, die er als \u201eMusterzeche\u201c bezeichnet, u.a.: \u201eSelten findet man eine derart geschlossene Architektur, die nach einheitlichen Grunds\u00e4tzen und Planungsprinzipien ausgef\u00fchrt worden ist. (\u2026) Handelt es sich bei der Architektur doch um ein technisches Denkmal von zumindest regionaler Bedeutung.\u201c Auch in der Zusammenfassung seines Werkes geht Slotta noch einmal auf die Tagesanlagen der Grube K\u00f6nigsberg ein: \u201eSie ist eine Grube mit Tagesanlagen \u201aaus einem Guss\u2018, und es w\u00e4re sehr zu begr\u00fc\u00dfen, wenn diese sehr eindrucksvolle Gesamtanlage, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut worden ist, vollst\u00e4ndig erhalten bliebe.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-230\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_lok_60_pujade_u._Rink_640x480-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_lok_60_pujade_u._Rink_640x480-300x400.jpg 300w, https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/arbeitskreis_4_lok_60_pujade_u._Rink_640x480.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/><br \/>\nBieberliesfest im August 1998: Heizer Henry Pujade (links)<br \/>\nund Hans Rink, der Besitzer der Bieberlies, vor der Lok 60<\/p>\n<p>Vermutlich als Reaktion auf die mehrheitliche Zustimmung des Gemeindevorstandes von Biebertal zum Abriss des Lokschuppens der Biebertalbahn in Bieber \u2013 des letzten noch vorhandenen Geb\u00e4udes der \u201eBieberlies\u201c \u2013 der nicht unter Denkmalschutz stand und Ende Oktober 1994 einer Wohnanlage zum Opfer fiel, wurden die Tagesanlagen der Grube K\u00f6nigsberg vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege in Wiesbaden im Dezember 1994 ohne Begr\u00fcndung unter Schutz gestellt. 2015 wurde von Dr. Griesbach-Maisant \u00a0vom Landesamt die Begr\u00fcndung verfasst, in der es abschlie\u00dfend hei\u00dft: \u201eAls weitgehend vollst\u00e4ndig erhaltene Grubenanlage der Nachkriegszeit, in der noch ein gro\u00dfer Bedarf an Inlandserz bestand, ist die Grube K\u00f6nigsberg von besonderer industriegeschichtlicher Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>Nach einer Nutzung durch das Rehabilitationszentrum Hohensolms seit 1974 \u00a0befand sich in den Tagesanlagen bis 2014 die Tierklinik Grube K\u00f6nigsberg von Tierarzt Volker Nikolai; 2015 begann die Umwandlung in eine Wohnanlage durch das Lahnauer Bauunternehmen Weimer.<\/p>\n<p>Text: Dr. Rainer Haus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verantwortlich:\u00a0Dr. Rainer Haus, Hauptstr. 61, 35444 Biebertal-Bieber, Tel.: 06409\/7890 Die Gruppe besteht seit Gr\u00fcndung des Vereins im Jahr 1995. &nbsp; Montan- und Bahnhistorie im Raum Biebertal im \u00dcberblick Von Rainer Haus Mit der keltischen Eisengewinnung und -verarbeitung am D\u00fcnsberg begann im heimischen Raum eine berg- und h\u00fcttenm\u00e4nnische Tradition, die mit der Aufgabe der Erzgewinnung in &#8230; <a title=\"Erzbergbau &#8211; H\u00fcttenwesen &#8211; Bieberlies\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/arbeitskreise\/erzbergbau-huettenwesen-bieberlies\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Erzbergbau &#8211; H\u00fcttenwesen &#8211; Bieberlies\">(Weiterlesen)<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":503,"parent":6,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":{"0":"post-74","1":"page","2":"type-page","3":"status-publish","4":"has-post-thumbnail","6":"gallery-content-unit","7":"resize-featured-image"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/74","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":685,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/74\/revisions\/685"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/media\/503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.heimatverein-rodheim-bieber.de\/hv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}